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Die Jalousien waren heruntergelassen. Sonnenstrahlen, die durch die Ritzen krochen, tauchten die kleinen Zimmer in Dämmerlicht. Innen schien es keine Tageszeit zu geben und auch keine Jahreszeit. Die Temperatur betrug 23,5°. Es war ein anonymes Haus, 92 Wohnungen auf sechzehn Etagen. Kein Namensschild an seiner Tür, niemals bekam er Post. Dr. Uwe Wolff lächelte. Niemand wusste, dass er hier war. Dass es ihn überhaupt gab.

Aus der Küche blickte er in den Wohnraum. Ein Tisch, ein Stuhl, dahinter ein Sofa, das er niemals nutzte. Bücher, jede Menge, und alle hatte er gelesen, viele mehrmals. Doch das war nicht länger wichtig. Sein Radius war nur noch winzig. Aber allemal groß genug, die Welt aus den Angeln zu heben.

Er wandte sich wieder den Zutaten auf dem Holzbrett zu. Das Messer glitt durch das Hühnchenfleisch, und ohne ein einziges Geräusch löste er den Knochen aus. Er holte das Öl aus dem Kühlschrank und die Gewürze aus dem Regal.

Kein Ton, nichts.

Wolff genoss das Maß an Präzision, das er mittlerweile erreicht hatte.

Nur einmal geriet das Uhrwerk aus dem Tritt.

Er hörte Stimmen im Treppenhaus, vor dem Lift, mehrere Personen, auch Kinder. Für einen Moment hielt er inne und spürte den Schmerz, wie ein feiner Kratzer quer durch die Eingeweide. Unruhig trat er von einem Bein auf das andere. Dann war es vorbei, der Lärm und das Ziehen.

Und bald würde überall nur noch Stille sein.

Später saß er am Tisch, aß und studierte ein Buch über Foltermethoden. Er las mit derselben Präzision, machte sich Notizen. Wie er die Intensität langsam steigern konnte. Wie das Opfer möglichst lange bei Bewusstsein blieb. Nach einer Weile sah er auf und blickte auf die Zeichen an der Wand. Es waren große, graue Buchstaben einer fremden Sprache. Er wusste, was sie bedeuteten, doch das spielte keine Rolle. Es ging um viel mehr.

Sie wiesen ihm den Weg. Und dafür war er dem alten Mann dankbar.